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OBJEKTspektrum Nr.6 November/Dezember 2003

Sie Autoren haben versucht die Brücke zwischen Betriebswirtschaft und Informatik zu schlagen und bewährte Ansätze der Informatik, beispielsweise die UML, auch im betriebswirtschaftlichen Kontext anzuwenden. Um es gleich vorweg zu verraten, der Versuch ist durchaus gelungen.

Die Gliederung des Buches ist klar und einfach. Auf eine Einleitung und einen Überblick folgen die beiden Hauptkapitel:

  • eine ausführliche Beschreibung der Methodik und


  • ein Katalog der benötigten UML-Modellierungselemente

In der Einleitung werden kurz die Bedeutung und die Historie der Geschäftsprozessmodellierung dargestellt. Daneben wird die beschriebene Methode von benachbarten Disziplinen, wie der Anforderungsanalyse, und von anderen Modellierungsansätzen abgegrenzt. Dieses Kapitel ist vielleicht etwas zu knapp geraten. Immerhin werden die Unterschiede zur ARIS-Methode (Architektur integrierter Informationssysteme) angedeutet und darauf verwiesen, dass ARIS mit ihrer UML-basierten Methode kombiniert werden kann. Das Interessante an der im Buch vorgestellten Methodik ist, dass sie werkzeugunabhängig ist und mit jedem gängigen UML-Werkzeug abgewendet werden kann. Das Buch verwendet bereits die neue UML-Version 2.0, was jedoch nur an wenigen Stellen – vor allem bei der Ablaufmodellierung – deutlich wird, sodass die Methodik im Großen und Ganzen auch mit älteren Werkzeugen im benutzt werden kann.

Das Methodik-Kapitel ist eine ganz konkrete kochrezeptartige Handlungsanleitung. Es werden die einzelnen Vorgehensschritte beschrieben, beispielsweise „Aktive Geschäftspartner identifizieren“ oder „Organisatorische Einbettung und Abhängigkeiten reorganisieren“. Wodurch das Buch aber besticht, sind die konkreten Beispiele, wie dies zu tun ist. Unter anderem werden diverse Workshops vorgeschlagen einschließlich, wer einzuladen ist, wie die Agenda aussehen könnte, welche Ergebnisse entstehen sollen und welche Probleme typischerweise auftreten. Das Buch enthält viele Schablonen zur Beschreibung von Geschäftsprozessen, Anwendungsfällen bis hin zu Anforderungen und Features, wodurch es dem Leser sehr einfach gemacht wird, die Methodik in der Praxis anzuwenden.

Dies ist auch die große Stärke des Buches. Durch die gute Strukturierung des Inhalts, die vielen Hinweise am Seitenrand und die Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte auf den inneren Einbandseiten findet man jederzeit schnell die gewünschten Informationen in der passenden Detaillierung. Es ist damit nicht nur Lehrbuch, sondern vor allem auch ideales Arbeitsmittel für den Praktiker.

Die Autoren arbeiten sehr viel mit Fragetechniken, Checklisten und „Daumenregeln“ (Heuristiken). Von großem Wert sind die so genannten Leitfragen in jedem Abschnitt, mit denen Fragen formuliert werden, die die Erarbeitung der jeweiligen Lösungen und das methodische Vorgehen sehr vereinfachen. Ebenso befindet sich am Anfang eines jeden Abschnitts ein kurzer Extrakt, also eine Zusammenfassung des jeweils nachfolgenden Inhaltes.

Im zweiten großen Kapitel sind die einzelnen verwendeten Modellierungskonzepte erläutert, die nicht ausschließlich, aber zu großen Teilen aus der UML stammen. Es werden jeweils Notation und Semantik beschrieben, Beispiele gegeben und teilweise auch die typischen Probleme skizziert. Häufig findet man eine Checkliste, worauf bei der Anwendung der Konstrukte besonders zu achten ist.

Die Vorgehensweise und Methodik zur Geschäftsprozessmodellierung ist letztendlich selbst wiederum ein Geschäftsprozess. Da lag es nahe den Geschäftsprozess der Geschäftsprozessmodellierung auf die eigene Methodik und das eigene Buch anzuwenden. Dies haben die Autoren am Anfang das Buches im Kapitel „Überblick und Orientierung“ getan, wodurch sie neben dem eigentlichen durchgängigen Fallbeispiel ein zusätzliches überzeugendes Beispiel für die Anwendung ihrer Methodik liefern.

Dort demonstrieren die Autoren auch, wie die Methodik für verschiedene Zwecke angepasst werden kann. Als exemplarische Beispiele dienen dazu die Geschäftsprozessmodellierung im Hinblick auf eine Systementwicklung sowie die Untersuchung von Outsourcing-Möglichkeiten und Unternehmensfusionen. Der Schwerpunkt liegt auf dem ersten Beispiel, die beiden letztgenannten werden dagegen etwas stiefmütterlich behandelt. Zu diesen aus meiner Sicht sehr interessanten Themen hätte ich mir noch ein paar mehr Details und Hintergründe gewünscht.

Abgerundet wird das Buch im Anhang durch ein ausführliches Glossar, das einen sorgfältig erarbeiteten Eindruck macht.

Obwohl das Buch Autoren hat, ist der gesamte Text aus einem Guss und in einer einfachen und lebendigen Sprache geschrieben. Man merkt immer wieder, dass die Autoren gestandene Praktiker sind. Das Buch erscheint eine solide, auch theoretische Fundierung zu haben, dennoch wirkt es insgesamt sehr pragmatisch. Dies wird auch durch die abgebildeten Pinwand- und Flipchart-Fotos sowie Handskizzen deutlich. Insgesamt ein erfreuliches Buch, der Aufbau und der Praxisbezug sind genau so, wie ich es mir von Fachbüchern wünsche. Mit knapp 250 Seiten hat es noch dazu einen angenehmen Umfang.

Zum Schluss aber noch etwas, dass ich noch nie in einem Buch gesehen habe. Im dritten Kapitel läuft oben in der Kopfzeile ganz ohne Vorwarnung oder Kommentierung ein zweiter, völlig eigenständiger Text durch. Dabei geht es auch um Geschäftsprozessmodellierung, jedoch aus einer ganz anderen Perspektive: welche sozialen Aspekte zu beachten sind, welche psychologischen, kommunikativen und unternehmenspolitischen Probleme auftreten können und wie damit umgegangen werden kann. So findet man - gut versteckt - noch einige unverzichtbare Tipps für die Anwendung in der Praxis.