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Worum geht es?

Ursprünglich ist die Geschäftsprozessmodellierung eine Domäne der Betriebswirtschaft. Aus Sicht der Informatik ist Geschäftsprozessmodellierung nur ein Randbereich. Aus den Ergebnissen einer Geschäftsprozessmodellierung können aber Anforderungen und Rahmenbedingungen für Softwareentwicklungsprojekte entstehen.

Die Fragen, die mit Geschäftsprozessmodellierung berührt werden, sind aber eher betriebswirtschaftlicher Natur. Es geht hier beispielsweise um Produktivitätssteigerungen, Outsourcing, Controlling, Reorganisation und eben auch, und hier kommt die Informatik ins Spiel, um Automatisierung.

Methodisch beinhaltet Geschäftsprozessmodellierung die Analyse und Beschreibung von Abläufen und ihre Einbettung in eine Organisation und andere Rahmenbedingungen. Im Bereich der Ablaufmodellierung sowie der Analyse und Beschreibung von Anforderungen, wie beispielsweise Geschäftsregeln, existieren in der Informatik viele bewährte Ansätze und standardisierte Notationen. Diese sind nicht originär für Geschäftsprozessmodellierung vorgesehen nichtsdestotrotz dafür geeignet oder prädestiniert.

Die Unified Modeling Language (UML) ist ein international (bspw. durch OMG und ISO[1]) und durch die Praxis anerkannter Standard in der (objektorientierten) Softwareentwicklung. Die Autoren dieses Buches kommen zum einen aus diesem Umfeld, zum anderen aus einem betriebswirtschaftlichen Bereich. Sie haben erkannt, dass die aktuellen Standardverfahren und -notationen der Informatik, also beispielsweise UML, auch für Geschäftsprozessmodellierung geeignet sind und dass damit ein Bruch in der Darstellung und in der Vorgehensweise zwischen Geschäftsprozessmodellierung und Softwareentwicklung geschlossen werden kann.

Die wichtigsten Vorteile der Geschäftsprozessmodellierung mit Standardverfahren der Informatik sind:

n Durchgängigkeit: Die methodische Durchgängigkeit von der Geschäftsprozessanalyse bis in die informationstechnische Automatisierung dieser Geschäftsprozesse wird möglich.
n Bewährte und etablierte Techniken: Objektorientierte Programmierung und Modellierung wird seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt und hat bewiesen, dass damit große und komplexe Systeme bewältigt werden können. Entwurfsmuster und -prinzipien der Informatik lassen sich auf die Geschäftsprozessmodellierung übertragen.
n Nachvollziehbarkeit: Anforderungen, die das Geschäft stellt, lassen sich bis zur Implementierung herunter (und zurück) nachvollziehbar dokumentieren.
n Bessere Verständigung: So wie Objektorientierung und UML die Kluft zwischen Analyse und Design verringert haben, kann die Verwendung derselben Konzepte die Barriere zwischen Prozessmodellierern und Systemanalytikern aufweichen.
n Breite Werkzeugunterstützung: Für die UML stehen eine Vielzahl ausgereifter Werkzeuge mit verschiedenen Schwerpunkten und für unterschiedliche Zielgruppen bereit.

Das vorliegende Buch wendet sich also gleichermaßen an Informatiker­Innen, beispielsweise in der Software-Projektleitung, Analyse und Design, als auch an Mitarbeiter­Innen aus den Bereichen Geschäfts- und Betriebsorganisation, Controlling, Unternehmensberatung und Betriebswirtschaft.

Mit unserem hier vorgestellten Ansatz verfolgen wir außerdem das Ziel, möglichst einfache Modelle zu erstellen, die gerade ausreichend sind, die mit der Geschäftsprozessmodellierung verbundenen Ziele zu erreichen. Wir glauben, dass nicht der Umgang mit möglichst vielen und genauen Informationen zu einer erfolgreichen Geschäftsprozessmodellierung führt, sondern die klare Strukturierung und Einfachheit.

„Einfachheit ist eine Tugend. Einfachheit gibt Stärke“, sagt Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Welcher Grad der Einfachheit für eine konkrete Geschäftsprozessmodellierung angemessen ist, lässt sich nicht allgemein gültig beschreiben und ist im konkreten Arbeitskontext herauszufinden und zu entscheiden. Wir möchten Sie an dieser Stelle aber ermutigen, unsere zahlreichen Hinweise auf Vereinfachungsmöglichkeiten in dem Buch ernst zu nehmen und im Zweifelsfall immer den einfacheren Weg zu gehen.

Etwas einfach zu machen ist nicht einfach, es bedarf der geschickten Abstraktion vom Komplexen zum Wesentlichen.

Bernd Oestereich